Kämpfen und Siegen – Über die Diskrepanz von Ideal und Realität

Rapid Wien ist ein in sich konsistenter Mikrokosmos, der gewisse Werte verkörpert:
Tradition, Leidenschaft, Liebe, Einsatz, Kampf und vor allem ein unbändiger Siegeswille der durch nichts zu erschüttern ist.

Die Verantwortlichen Unseres Vereins haben diese Werte mittlerweile auch für Vermarktungszwecke entdeckt. Ein legitimes Mittel da diese Werte aus wirtschaftlicher Sicht eben auch einen wahren USP darstellen, weil kein anderer Verein in Österreich dieses Credo glaubwürdig vertreten kann!
Der Verein steht also mit seinem Marketing und seiner Außenkommunikation tatsächlich hinter diesem manchmal vielleicht etwas pathetisch anmutenden Selbstverständnis und das ist auch gut so. Schließlich sind es diese Werte die Vereine wie Wiens große Liebe in Grün/Weiß von Konstrukten wie Red Bull (Filiale) Salzburg unterscheidet! Werte die auch Unsere Fankurve eisern vertritt, die selbst nach „10“ Gegentoren gegen Valencia das Stadion nicht verlässt und unbeirrt die Mannschaft anfeuert.
Es sind auch diese Alleinstellungsmerkmale die Rapid zu einer leuchtenden Ausnahme in der öden Realität des österreichischen Vereinsfußballs macht.
Die Vereinsführung hat diese Werte nun sogar zu Papier gebracht. Ein kleines Taschenbüchlein mit dem Titel „Leitbild des SK Rapid“ wurde herausgegeben und wurde von den meisten von Uns wohl zumindest bei einem Aufenthalt im Fanshop schon mal durchgeblättert.
Eine weitere wichtige Maßnahme um das „Lebensgefühl Rapid“ festzuhalten. Aber eben auch die „Marke Grün/Weiß“ zu stärken, was aber – nochmals betont – kein Problem ist, da auch beispielsweise ein großer Fanverein wie der BVB sich die „Echte Liebe“ gut vergüten lässt und trotzdem wohl von jedem Fußballfan -außer den Schalkern- als respektabler Verein eingestuft wird!

Wirtschaftlich sind Wir definitiv endlich auf den Weg auf den Wir auch gehören. Ein (hoffentlich bald) bald neu ausgehandelter TV-Vertrag und das neue Stadion werden Unsere Alleinstellung in Österreich weiter vorantreiben. Eine Rolle wie sie Celtic in Schottland spielt ist wohl auf längere Sicht in der Bundesliga keine Utopie.

Nur geht es im Fußball(geschäft) wenig überraschend eben auch um das Sportliche!

Die ewig anmutende Titellosigkeit Rapids ist Uns allen bekannt, sie wird von Uns eben meistens gekonnt ignoriert. Um Titel zu gewinnen braucht es konstante Leistungen, das bissl Glück und eine gesunde Einstellung. Eine Einstellung die dem Dress das man als Spieler trägt entspricht. Das Dress als Symbol für die Idee hinter Rapid, einer Idee die wie bereits erwähnt im Leitbild niedergeschrieben wurde.

Der wohl wichtigste Auszug dieses Leitbilds:

„Der SK Rapid ist österreichischer Rekordmeister. Erfolg ist uns Erbe und Gebot zugleich. Daher ist es unser Anspruch, immer ganz oben zu stehen. Egal in welchem Bewerb und wo in der Welt wir antreten: Wir wollen gewinnen.“

Ich war einer der Wenigen die sich die Cuppartie gegen die Admira im Stadion gegeben haben. Jetzt kann man sagen, selber schuld! Das dachte ich mir nach dem Spiel auch aber wenn man sich für seinen Verein Titel wünscht neigt man schon mal zu solch eigenartigen Aktionen wie dem Besuch eines Cupspiels. Diese Ablehnung für den Pokalbewerb ist wohl auch so eine Besonderheit des heimischen Fußballs, siehe Aussetzung 2007/08… Doch man muss nicht alles verstehen und außerdem zurück zum Thema! Diese Niederlage kam meiner Meinung nach einzig und alleine wegen der fragwürdigen Einstellung so manchen Spielers zustande, die sich so gar nicht mit den vielstrapazierten und neuerdings auch festgehaltetenen Werten Rapids decken wollen…
Diese Cuppartie war leider so unglaublich symbolisch für alles was falsch läuft in Unserer Mannschaft! Wie kann man so ein Spiel abschenken wenn man seit 1995 keinen Pokal mehr gewonnen hat? Ich war dort, ich wollte den Cup gewinnen, die Spieler anscheinend leider nicht. Der Weg ins Finale war geebnet, Wir wollten diesen Titel aber eben nicht um jeden Preis. Ein Titel – vor allem dieser „unnötige Cup“ – schien als Motivation wie gesagt nicht ausreichend… Nochmals, alles muss man nicht verstehen!

Um einen Titel ging es in der Europa League nicht! Aber darum, nach einer überragenden Gruppenphase, einem spanischen Spitzenverein die Stirn zu bieten. Das ging gründlich daneben, auch weil wir Uns in Spanien regelrecht abschlachten ließen und dann auch im Rückspiel sehr enttäuschend auftraten. Lustlos wirkte der Auftritt in Wien, wie neulich im Cup! Nur verfolgten diesmal 40.000 Zuschauern die erneut eigenwillige Interpretation des Leitbilds des SK Rapid durch Unsere Mannschaft… Sonderlich beflügelnd scheint es für die Spieler nicht zu sein, wenn das Happelstadion fast voll ist bei einem sportlich fast wertlosen Spiel. Von der Idee des „Kämpfen und Siegen“ war reichlich wenig zu spüren…
Ich möchte das jetzt nicht nur am Trainer festmachen, die Spieler sollten sich mal selber an der Nase nehmen und überlegen für welchen Verein sie eigentlich auflaufen!

Einfach ewig schade nach solch einer geilen Gruppenphase… 🙁

Fest steht jedenfalls, nach dem 0:10 gegen Valencia haben Wir Uns ja jetzt endgültig wieder mal jeglicher Zusatz“belastung“ entledigt.

Auf Deutsch: Wir sind jetzt eigentlich dazu verpflichtet in dieser Saison Meister zu werden!

Auch die Auslosung spricht gerade voll und ganz für Uns! Wir spielen Zuhause hintereinander gegen Grödig und Mattersburg! Red Bull hat die Austria und dann Sturm vor der Nase. Spricht also wie gesagt alles für Uns, möchte man meinen… Wäre da nicht die „Tradition“ der schwachen Partien gegen die Kleinen der Liga, die auch zumeist einer laschen Einstellung geschuldet sind. Eine sehr fragwürdige Einstellung wenn man überlegt, dass sich zum Beispiel die Millionarios des FC Bayern sich nicht zu schade sind sich gegen Darmstadt 98 den Arsch aufzureißen…

Ich glaube nach wie vor fest daran, dass diese Mannschaft Potential und das Zeug hat den Titel zu holen. Deswegen tun diese vergebenen Chancen wie das verschenkte Cupfinale ja so verdammt weh! Doch um endlich einen Titel zu gewinnen braucht es eben die richtige Einstellung, die eines echten Rapidlers, die eines Champions. Diese schlummert auch sicher in fast allen Spieler in Unserer Mannschaft!

Hoffentlich schafft es Unser Trainer die Spieler rechtzeitig daran zu erinnern was es bedeutet für Rapid am Platz zu stehen! Er kennt das nämlich das Gefühl mit Rapid Titel zu gewinnen! Er weiß, dass für Uns Fans Rapid nämlich keine Durchgangsstation für den Transfer ins Ausland ist, sondern Unser Leben.
Vielleicht sollte Herr Barisic das Leitbild vor dem nächsten Meisterschaftsspiel in der Kabine verteilen! Wir Fans leben danach, ich würde mir wünschen spüren zu können, dass dies auch die Spieler tun, wenn auch nur für den kurzen Zeitraum bis zum anvisierten Auslandstransfer! Wenn man die Spieler mit dem Cup schon nicht motivieren kann, vielleicht klappts ja mit der Schale…

Aber es wird schon alles gut gehen, schließlich sind Wir ja Rapidler 😉

GWG, Euer #StefanGamlich

2 Gedanken zu „Kämpfen und Siegen – Über die Diskrepanz von Ideal und Realität

  1. Andy Vanek

    Das (traditionelle) Leitbild und die Spielphilosofie passen nicht zusammen!
    Gemeinsam kämpfen, über den Kampf ins Spiel kommen, auch aussichtslos scheinende Partien noch herumreissen, durch Einsatz gegen stärkere Gegner bestehen…. das ist so das Bild von Rapid.
    Doch Zoki will „schönen Fußball“ spielen, mit Kurzpassspiel und viel Ballbesitz zu Erfolg kommen. Da wird ja oft noch im 5er eine Anspielstation gesucht. Wenn – ich sage bildhaft – bei schönem Fußballwetter und gepflegtem Rasen alles stimmt, dann rollt die Kugel (Symbolisch: Mattersburg 6:1) Aber wehe es weht ein ruahes Lüfter, bei schlechtem Spielfeld und gegen eine Mannschaft, die beherzt kämpft, also die Rapid-Tugenden an den Tag legt. Oder eben gegen eine Mannschaft, die wirklich technisch gut ist. Weil unsere Herren „Techniker“, die alle schon mit dem Kopf in irgendeiner anderen Liga sind, sind eben bei weitem nicht soo gut, wie sie glauben.

    Antworten
  2. Sepp Schneider

    Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen,außer das ich befürchte das es mit dem Meistertitel leider wieder nicht klappt,wel sich einzig und allein unsere Nr 11 in JEDEM Spiel den Arsch aufreißt! Er ist der einzige der das Siegergen in sich trägt! Traurig,aber war!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.