Immer dieses Bullen-Bashing?

Der große Fehler des Dietrich Mateschitz.

Vor allem im Social Media Bereich ist seit der Gründung von Red Bull Salzburg
ein Phänomen zu beobachten, welches gerne mit dem Begriff „Bullen-Bashing“
beschrieben wird. Fußballfans diverser Couleur halten zusammen – im Kampf gegen
Red Bull. Warum wollen so viele Fans Red Bull Salzburg scheitern sehen und warum wurde die Verbindung des eigentlich doch ziemlich coolen und jugendlichen Images der Marke mit der
Weltsportart Nummer 1 eigentlich kein Selbstläufer?

Ein Erklärungsversuch: Fußball ist für viele Menschen auf der ganzen Welt mehr als
eine Sportart – Fußball ist eine Lebenseinstellung. Und vor allem ist Fußball eine
Subkultur mit eigenen, oftmals ungeschriebenen, Gesetzen und Traditionen.
Eine Tatsache, die Dietrich Mateschitz bei seiner Red Bull Vision egal war. Man
stelle sich vor was passiert wäre, wenn Red Bull – wie Anfangs angenommen – als
Großsponsor bei Austria Salzburg eingestiegen wäre aber gleichzeitig die Identität
des Vereins bewahrt hätte.

Austria Salzburg wäre wahrscheinlich auf Dauer zum größten Verein
Österreichs herangewachsen. Doch es ging Mateschitz nicht darum, einen Verein
finanziell zu unterstutzen und zu neuen sportlichen Höhen zu führen. Er hat seine
ganz eigene Vision von einem Fußball-Imperium schlicht und ergreifend
durchgeboxt.
Es gibt mittlerweile etliche Beispiele fur die totale Kommerzialisierung von
Fußballklubs. Von den meisten alleinherrschenden Eigentumern wurde aber
versucht, zumindest einen Teil der Identität des jeweiligen Vereins zu erhalten. Die
Teile, die den Fans nun mal am meisten am Herzen liegen. Roman Abramovich hat
bei der Übernahme von Chelsea London den Namen und die Farben des Vereins
nicht geändert. Selbst den Scheichs von Manchester City oder Paris Saint Germain
wäre dies, trotz der völligen Kommerzialisierung der Vereine, wohl niemals in
den Sinn gekommen. Genau das ist aber in Salzburg passiert.
Diese Vorgehensweise erinnert an das Verschieben von „Franchises“ in den Profi-
Ligen der USA, wobei man auch dort nicht auf die Idee kommen würde, Teams wie die „Packers“ aus Green Bay (American Football) oder die „Red Sox“ aus Boston (Baseball) auszusiedeln, weil diese Teams nun mal Tradition haben, auf die sogar in den USA geachtet wird.
Austria Salzburg wurde, als eine der Traditionsmannschaften unseres Landes,
damals einfach aus den Geschichtsbüchern gestrichen. Hardcorefans passen
offensichtlich nun mal nicht in die „Welt von Red Bull“. Wen wundert es da, dass sich
die Fans von Austria Salzburg aufmachten und ihren Verein in der untersten
Spielklasse neu gründeten und nun kurz vor der Rückkehr in den Profifußball stehen!

Herr Mateschitz ließ jegliches Feingefuhl fur diesen Mikrokosmos der Fankultur
vermissen. Da ist es doch für viele Fußballfans in Österreich und Deutschland nur
folgerichtig, dass Red Bull für das Ende jeglicher Tradition oder mit anderen Worten
die ungeschminkte und gänzliche Kommerzialisierung des Fußballs steht.
Es steht außer Frage, dass Dietrich Mateschitz viel für den Österreichischen Fußball
getan hat. Vor allem profitieren die anderen Vereine im Rahmen der UEFA-5
Jahreswertung von den Punkten, die Red Bull Salzburg in der Europa League
erreicht hat. Was sich jedoch nicht vom Tisch wischen lässt ist, dass Herr Mateschitz
– ohne Rucksicht auf Verluste – seine Vision durchgesetzt hat. Die mangelnde
Begeisterung in Salzburg für den Verein und die Ablehnung durch die Fans der
Traditionsvereine sind der Preis den er zahlen muss.

Fußball ist nicht die Formel 1 und vor allem kein Event. Zumindest nicht für Fans im
traditionellen Sinn. Fußball ist, wie gesagt, eine ganz eigene Welt mit eigenen Regeln
und gewissen Tabus, die Mateschitz wissentlich gebrochen hat.
Als einer der erfolgreichen Geschäftsmänner Europas wird er Gegenwind jedoch
gewöhnt sein und seine Pläne weiterhin verfolgen. Ob das dem Großteil der Fans in
Österreich nun passen möge oder auch nicht.

GWG, Euer .

Erstveröffentlichung: 24.07.2012 12terMann.at

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