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Sturm der Verzweiflung

Warum sich Rapids Anspruch auch in den Angreifern ausdrücken muss!

Eine Szene hat sich in mein Hirn gebrannt, wie kaum ein anderer Rapid-Moment der letzten Jahre! Es ist jedoch ein sehr schmerzvoller Moment der sich immer wieder in meinem Kopf abspielt, so wie auch gestern Abend beim Europa League Exit in Genk.
Eine Szene die sich mir vor allem immer dann so klar vor meinem geistigen Auge darstellt, wenn einer Unserer Stürmer wieder mal eine 100%ige Torchance liegen lässt. So wie auch gestern Abend, als es Joelinton nicht fertig brachte das Gastgeschenk anzunehmen und kläglich am Schlussmann der Belgier scheiterte.
Diese Szene die mich bis heute verfolgt, stammt aus einem der besten Spiele die ich von Rapid je miterleben durfte. Ihr alle kennt diese Spiele! Man weiß genau, mit wem, man wo und vor allem mit welchen Emotionen das Match mitverfolgte. Bei mir war es das kleine Pub neben dem Gerngroß, mit meinem engsten Freund in Sachen SCR plus vielen Bekannten und wir haben den kleinen Raucherbereich des irischen Beisls, in einen Hexenkessel verwandelt.

Lapsus mit Langzeitfolgen

Die Rede ist vom heroischen Scheitern im Playoff für die Champions League gegen Schachtar Donezk im Jahre 2015. Ihr alle könnt Euch noch an die unfassbare Dramaturgie des so wichtigen Spiels in der Ukraine erinnern. Die Stimmung in dem Lokal, während diesen 90 Minuten, war unfassbar und wurde dem Match deswegen mehr als gerecht. Ich werde diesen Abend mein Leben lang nicht vergessen auch wenn er nicht gut für Uns endete!

Nach einem Spielverlauf der selbst Hollywood die Schamesröte ins Gesicht ins Gesicht getrieben hätte stand es schließlich ganz kurz vor Ende der Partie 2:2. Wir hatten Uns mehr als würdig verkauft und waren zwischenzeitlich durch ein Tor des Fußballgottes persönlich sogar schon aufgestiegen. In die Kabine ging es schließlich mit einem bereits erwähnten 2:2 und je länger das Match dauerte und das Ergebnis beim Alten blieb, wurde uns allen plötzlich schlagartig klar, dass die Sensation immer noch zum Greifen nahe war. Wir waren nur 1 Tor von Millionen für die Vereinskassa und dem Traum der Champions League entfernt. Unsere Jungs gaben absolut alles und plötzlich kam die wohl beste Flanke die ich je gesehen habe in den Strafraum! Das Ziel hieß selbstverständlich, Robert Beric.
Wir wollten sie reinschreien, diese Kugel, die wir vor unserem geistigen Auge alle schon im Netz zappeln sahen. Doch es geschah das Unfassbare! Der Knipser Beric – und das war er wirklich, seither gab es Keinen guten Stürmer mehr bei Uns- ließ diese Chance aus! Diesen Kopfball aus kurzer Distanz, von denen er normalerweise 9 von 10 blind reinhaut, setzte er neben das Tor.

Ihr fragt Euch jetzt vielleicht, warum ich mit der alten Geschichte ankomme?

Ganz einfach, weil diese vergebene Torchance bis heute nachhallt! Hätte der Kopfball gesessen, wäre Beric geblieben, wären Wir wären garantiert mit großem Vorsprung Meister geworden etc.
Kurz, Unser Schicksal hätte sich anders entwickelt.

Die Suche nach dem „Nachfolger“

Es ist nicht der Verlust von Beric – gute Leute werden wir immer schnell verlieren, so is das Geschäft – an dem ich bis heute knabbere, es ist die unzulängliche Nachbesetzung seiner Person! Was geschah nach dem Abschied des Slowenen?
Man holte Jelic als „Ersatz“, der dem Druck nie Stand halten konnte und dem es wohl auch ganz einfach an Qualität fehlt. Dann schickte man Alar in die Wüste, obwohl er den Verein vor dem finanziellen Untergang rettete, als es bei Uns im Verein noch Usus war mit einer eventuellen UEL-Quali zu budgetieren. Man verpflichtete weitere „Perspektiv“-Stürmer wie Kvilitaia, erneut aus einer Liga kommend, die weitaus schlechter ist als Unsere, und die vor allem alle kein Killer-Gen in sich tragen zu scheinen, wie es beispielsweise ein Rene Wagner hatte.
Gerne erinnere ich mich auch immer noch an den „50 Tore-Sturm“ der Saison 2008/09 zurück oder eben auch an Robert Beric!
So brav sich die jungen Burschen auch immer alle reinhauen mögen, ein Stürmer wird einzig und alleine an Toren gemessen!!! So gesehen sind alle 3 aktuellen Angreifer bislang kein Jackpot! Seit Beric haben Wir keinen ordentlichen Stürmer mehr…

Von versprochenen Äpfeln und gekauften Birnen

Nicht nur in mir brodelt wohl seit einiger Zeit eine tiefe Sehnsucht nach einem richtigen Stürmer, der dieses Prädikat auch verdient. Für mich ist die Abteilung „Angriff“ bei Uns leider derzeit nicht als solche zu bezeichnen! Wie bereits erwähnt am Beispiel Joelinton, war die Darbietung Unserer Speerspitze auch gestern in Belgien, größtenteils an Harmlosigkeit nicht zu überbieten… Denkt Ihr dass es mit dem vorhandenen Personal vorne drinnen noch was werden kann, oder müssen die Verantwortlichen im Winter, endlich doch noch über einen fertigen Stürmer nachdenken? Dieser wurde versprochen aber NIE geholt!!!

Top 50 oder Top 500?

Fest steht jedenfalls, dass bei Uns im Verein so ziemlich in allen Bereichen getan wird um Rapid tasächlich in Europas Top 50 zu führen! Stadion, Sponsoring, Bilanzen etc., alles auf einem Toplevel mittlerweile! Nur warum gibt man sich dann bei der, meiner Meinung nach wichtigsten Position am Spielfeld, mit weniger zufrieden als Rapid zusteht?
Wir brauchen für Unsere Ziele einen mit allen Wassern gewaschenen Knipser, der seine 25 Ligatore abliefert und im Europacup in engen Partien wie gestern Abend, dann eben den Unterschied für Uns ausmachen kann. Einer der keine Eingewöhnungszeit braucht und vielleicht mal gut wird…
Es ist ja schon paradox, dass es den Verantwortlichen in so gut wie allen Bereichen gar nicht schnell genug gehen kann, „Rapid in die Top 50“ zu bringen gar nicht schnell genug gehen kann, nur in Sachen Kaderpolitik der Abteilung Sturm, wir uns seit dem Verkauf von Robert Beric eher im Bereich „Top 500“ bewegen…

Die zahlreichen Treffer der Mittelfeldspieler wie Schaub, Schobesberger, Schwab oder in der letzten Saison auch noch Kainz etc. überdeckten diese Unzulänglichkeit lange, doch die fatale Harmlosigkeit der fordersten Front der Boys in Green ist spätestens seit dem Spiel in Genk nicht mehr zu leugnen!

Fragen für die Verantwortlichen

Mit folgenden Fragen sollten sich Unsere Verantwortlichen also baldigst beschäftigen:

  • Warum wurde es damals und bis heute verpasst einen würdigen und vor allem gleichwertigen Nachfolger für Robert Beric zu verpflichten?
  • Sind Joelinton, Jelic und Kvilitaia aus dem Holz aus dem ein Rapid-Knipser geschnitzt sein muss?
  • Sollte man nicht endlich ein gestandenes Schlitzohr für die Mittelstürmerposition engagieren und nicht wieder einen „Perspektivspieler“?
  • Kann sich der SK Rapid eine weitere verlorene Saison ohne Titel leisten, weil man keine Tore erzielt hat, da man weiterhin stur keinen gestandenen Angreifer verpflichten möchte?

Vielleicht erinnert man sich in der Geschäftsstelle ja bald mal an Unseren alten Spitznamen, „Hütteldorfer Kanoniere“ und legt Uns allen einen Stürmer unter den Christbaum, der seiner Aufgabe beim Rekordmeister Österreichs gewachsen ist und die jungen Stürmer mit Potential, in meinen Augen zumindest Joey, unter seine Fittiche nimmt.

Abschließen möchte ich Beric’s Worte nach dem bitteren Aus damals: “Ich würde alle Tore meines Lebens für das eintauschen.“ Ich kauf Ihm das bis heute ab und wünsche es mir wohl auch bis heute noch, doch so funktioniert das Leben eben nicht 🙂

In Hoffnung auf „stürmische“ Zeiten,

GWG, Euer Stefan Gamlich.

Bild: diepresse.com

Ich hab’s nicht vergessen…

Über die Dankbarkeit für den Ist-Zustand und warum dieser manchmal schwer zu verstehen ist…

Eine bekannte Textzeile aus einem Rocksong lautet, „die Zeit heilt Wunden, doch vergessen kann ich nicht…“
Diese Zeile trifft in der jüngeren Vergangenheit mehr denn je auf Unsere geliebte Rapid zu.

Wer hätte gedacht wie schnell es gehen sollte, dass Wir dank Unserem neuen Präsidium und all den anderen überaus fähigen, neuen Vereins-Verantwortlichen gerade dabei sind, Rapid dorthin zu führen wo Wir hingehören, in Europas Top 50! Das Stadion wächst heran, die Zahlen stimmen, Rapid spielt in der Europa League „für RotweißRot“, Rapid ist wieder „cool“.
Doch wie war das noch vor nicht allzu langer Zeit?
Wir standen vor dem Nichts, das Stadion war eine Ruine, von Visionen für den größten Verein in diesem Land konnten Wir treuen Anhänger nur träumen! Wir Grünen waren alle platzstürmende Gewalttäter, saufende Drecksproleten, Hassgriechen usw.
Rapidbashing war wieder en vogue!

Ich hab’s nicht vergessen!

Ich hab es nicht vergessen, wie ich mehr schlecht als Recht, für die Demo gegen die Zerstörung Unseres Vereins, neun A3 Zettel mit Tixo zusammengeklebt habe und meine Hoffnungen mit den Resten im Edding draufgeschrieben habe:
„PRO St. Hanappi Neu, PRO 30.000, PRO Grüne Wand“.
Ich hatte mich aber ehrlicherweise innerlich damit abgefunden, dass meine größte Angst bezüglich Rapid wahr werden könnte, nämlich im Prater zu enden, weil St. Hanappi keine Spielgenehmigung von der Bundesliga mehr erhalten würde.

Ich habe es nicht vergessen, als  meine beiden Freunde und ich, nach dem Demomarsch vorm Stadion schließlich ganz hinten an der Wand vom Zielpunkt standen, mit unserer Bastelarbeit in der Hand, als plötzlich jemand aus der ersten Reihe bestimmt auf uns zukam und ich nur dachte, „ach du Scheisse, hoffentlich sieht er das mim Stadion nicht anders als wir…“
Wir sind keine Ultras und keine Hools, mir blieb in dem Moment das Herz stehen! Ich habe es nicht vergessen, wie ich mich in dem Menschen täuschte, als er uns dann total freundlich hergewunken hat, uns den Weg durch die Menge bahnte hat und zu uns sagte, „Ihr stellts euch ganz vorne hin!“ Ich habe es nicht vergessen, das Gefühl das ich hatte in diesem Moment. Das Gefühl für Deinen Verein etwas zu tun, nämlich wenn es ihm schlecht geht, verdammt schlecht! Ich war verdammt stolz in diesem Moment, auch das werde ich nie vergessen.

Doch wer hätte uns denn einfach ein Stadion bauen sollen? Im Prater wäre Rapid auf Dauer zugrunde gegangen, weil Hütteldorf in Uns allen drin ist. Im Happel wären Wir auf ewig nur Gast geblieben. Wer in Wien der Klub ohne Heimat ist, muss ich jetzt wohl nicht weiter ausführen, Wir mit Sicherheit nicht.

Was Herr Krammer und Co in kürzester Zeit für Uns alle getan haben, dafür kann man ihnen sowieso nicht genug danken! Wir sind mehr als auf Schiene, wie rasant sich Unser Verein entwickelt und das auf jeglicher Ebene, ist unfassbar. Alleine wie Herr Müller & Co jetzt noch einen guten Ersatz für Beric gefunden haben hat mir endgültig gezeigt wie professionell jetzt endlich bei Rapid gearbeitet wird.
Doch vergessen wie es hätte ausgehen können nach der Äre Edlinger, beziehungsweise vor kurzem noch aussah, nämlich verdammt düster, sollte keiner von Uns jemals.

Ich habe auch nicht vergessen was Deni Alar für Uns getan hat, als er Uns quasi im Alleingang in die Europa League geschossen hat, in einer Zeit als die wahnwitzigen Kalkulationen der damaligen Wirtschaftsverantwortlichen eine Teilnahme an diesem Bewerb einfach mal vorsahen(!!!)…
Ich habe nicht vergessen, wie leicht dieses betriebswirtschaftliche Roulette-Spiel nach hinten hätte losgehen gehen können. Über die Konsequenzen von so mancher Nicht-Qualifikation möchte ich erst gar nicht nachdenken, da wird mir nämlich kotzübel…
Genau deswegen werde ich den Deni solange er bei Uns ist immer unterstützen. Er hat nicht einfach Tore geschossen, er hat uns damit möglicherweise vor einem Wirtschaftskollaps gerettet, möglicherweise von einem Ausmaß, wie damals nach dem Ausstieg der Bank Austria. Wegen ein paar unglücklichen Verletzungen dürfen einstige Helden nicht einfach ins Vergessen geraten! Schnellebiges Geschäft hin oder her! Ich glaube immer noch an Ihn, und weiß um die Bedeutung seiner Treffer für Rapid! So sieht das Unser Trainer wohl auch, der ja weiterhin mit Ihm plant! Deni ist ein begnadeter Fußballer, der jetzt endlich gesund bleiben muss!
Deswegen immer noch: „In Deni I trust“.

Ich habe keinen der Momente je vergessen, wenn Du an den Rand Deiner Moral gebracht wirst und Dich manchmal fragst, warum Du Dir das alles antust. Ob eine Niederlage im Regen bei 3 Grad auf der Wackeltribüne in Mattersburg, nach einer Weltreise in Innsbruck abbeissen, die etlichen unnedigen Ausflug in die SCS zum „Angstgegner“ Admira oder auch im Pub beim Millionen-Kopfball von Herrn Beric.
Die Leere nach solchen Rückschlägen vergisst man ebenfalls niemals. Man muss dieses schmerzhafte Gefühl auch immer wieder erleben und es dann auch für immer in sich bewahren. Solche Niederlagen sind es, die dich mit Deinem Verein zusammenschweißen.

Ich habe es nicht vergessen, das Cupspiel gegen Sturm vor 5.000 Zuschauern, als ich mich echt gefragt hab, was das hier alles noch soll! Ob ich nicht besseres zu tun habe…
Ich habe es nicht vergessen das Gefühl der Ablehnung, wenn irgendwelche Gloryhunter plötzlich „voll dabei“ sind im Europacup!

Und noch was hab ich nicht vergessen, das Gefühl Meister zu sein!

Eight years of hurt are enough!

GWG, Euer .

Bild: http://www.tornadosrapid.at

Die Rückkehr der Hütteldorfer Kanoniere

Was haben der SK Rapid und Arsenal gemeinsam? Nein, wir meinen jetzt nicht die Heimat des Heersgeschichtlichen Museums im dritten Bezirk, sondern die „Gunners“ aus Nordlondon. Beide Vereine werden oder, wie in Unserem Fall,  wurden aufgrund Ihrer Feuerkraft, „Kanoniere“ genannt.

Entstanden ist der Spitzname durch die Heldentaten die sehr erfolgreichen Mannschaftrund um Hans Krankl, Peter Pacult und Michael Konsel aus den 80ern, die im Europacup gegen Dynamo Dresden „das Wunder von Hütteldorf“ vollbrachte und dann bis ins Finale vorstieß.

Der 50-Tore Sturm der 00er Jahre, auch bekannt als „Maierhoffer“, machte dem leider fast vergessenen Spitznamen Rapids vorerst letztmalig alle Ehre.

Doch in dieser Saison scheinen die Kanoniere von Hütteldorf eine Renaissance zu erleben.

Mit Robert Beric haben wir seit Jimmy Hoffer erstmals wieder einen Mann im Sturm, der das Zeug dazu hat Torschützenkönig zu werden! Er besitzt diesen gewissen Torriecher und ist eben genau diese sympatische „Grätzn“ die man sein muss als Sturmspitze und die Unserer Mannschaft so gut tut. Nur seine Emotionen muss er noch besser kontrollieren lernen, denn gesperrt siehe zwei Rote gegen Sturm, bringt auch er Uns nichts 😉

Deni Alar, in meinen Augen nach wie vor Rapids begnadetster Fußballer, steht ihm als kongenialer Partner in der Attacke zur Verfügung. Bleibt er (KLOPF AUF HOLZ) endlich über einen längeren Zeitraum von schweren Verletzungen verschont, können Wir Uns neben vielen Toren vor allem auf spielerische Highlights freuen.

Tomi, der spanische Neuzugang aus dem Grödiger Schlussverkauf sollte auch für einige Tore in der nächsten Saison gut sein und bringt die gewisse südländische Cleverness mit, die Unseren jungen Burschen manchmal fehlt.

Welche Zukunft Philipp Prosenik beim Verein hat bleibt abzuwarten, wir halten Ihn für sehr talentiert, tippen aber eher auf Abschied, irren uns aber auch gerne!

Dann is da noch die „Akte Onisowo„, über die wir aber außer losen Gerüchten nichts wissen…

Wir waren im Angriff schon lange nicht mehr so präsent wie in dieser Saison. Schauen Wir mal wie viele Tore dem Rapidler des Jahres 2014 am Ende gelingen werden… Wir trauen Ihm sogar 25 Stück zu! Dass der Slowene auch Elfer schießen kann, hat er ja gegen Ried bewiesen!

Das Motto lautet jetzt also endlich wieder,

Auf geht’s KANONIERE!

GWG, Euer .

Bild: luzine-happel.de